Gemeinsam mit dem Verein Lago di Bolsena haben wir kürzlich in einem Brief an die Bürgermeister der Gemeinden um den See eine wechselseitige Zusammenarbeit vorgeschlagen. In weiterer Folge haben wir am 9. September 2018 in einem Brief an die Assessoren für Landwirtschaft und Umwelt und Infrastruktur und öffentliche Arbeiten der Region Latium um ein Treffen gebeten. Wir wollen dabei:
- Notwendige Schritte für die Wiederherstellung eines guten Zustandes des Sees diskutieren,
- die Region über den laufenden Austausch zwischen den Vereinen und der europäischen Kommission informieren,
- den Status der Bauarbeiten am Ringkanal und dessen künftige Bewirtschaftung erörtern.
Im Brief bitten wir darüberhinaus den Präfekt sich dafür einzusetzen, dass eine enge Zusammenarbeit der Institutionen mit der Bürgerschaft zustande kommt, um die Verschlechterung aufzuhalten und die notwendigen Geldmittel zur Wiederherstellung eines guten Zustandes des Sees zu beschaffen.
An die Assessoren Enrica Onorati und Mauro Alessandri,
die Verschlechterung des Zustandes unseres Sees durch die zahlreichen Austritte von Abwässern ist bereits allgemein bekannt und wurde ausgiebig dokumentiert und auch in den Medien veröffentlicht. Es sind damit die Carabinieri Forestali, die ARPA und die Staatsanwaltschaft befasst.
Die generelle Verschlechterung ist durch die ARPA offiziell bestätigt, die für die Jahre 2015 – 17 die Bewertung von „gut“ auf „ausreichend“ herabgestuft hat. Dies ist auch bestätigt durch einen kürzlich veröffentlichten wissenschaftlichen Bericht der hydrologischen Instituts von Pallanza, publiziert in der Nr. 72 der internationalen Zeitschrift „LIMNOLOGICA“.
Die Wasserrahmenrichtlinie (2000/60/CE), übernommen vom italienischen Staat mit dem Testo Unico D.Lgs. n. 152 del 2006, untersagt eine qualitative Verschlechterung von „gut“ nach „ausreichend“ und verpflichtet zu einer Wiederherstellung des Zustandes „gut“. Der Verstoß gegen diese Richtlinie könnte Bußgelder nach sich ziehen, und wird durch den Umstand erschwert, dass der See auch ein Schutzgebiet im Sinne der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (Richtlinie 92/43/EWG, kurz FFH-Richtlinie) und der Vogelschutzrichtlinie (Richtlinie 79/409/EWG) ist.
Ein Einschreiten der Europäischen Kommission wäre durchaus im Interesse der Bürgerschaft, die mit Sicherheit einen See mit guter Badequalität und ohne Eutrophierung möchte. Niemand möchte, dass Strafen verhängt werden, aber der italienische Staat muss die notwendigen Vorkehrungen treffen um den Zustand „gut“ wiederherzustellen.
Ein wichtiger Teil des Abwassersystems ist der Ringkanal, bei dem gerade – nach vielen Jahren der Vernachlässigung – Instandsetzungsarbeiten im Gange sind. Nach einer Serie von Schwierigkeiten wurden die Bauarbeiten am 5. September 2017 vergeben, mit der Verpflichtung, die Arbeiten im März 2018 zu beenden. Statt dessen haben die Bauarbeiten erst im März begonnen und sind bis dato nicht beendet. Die Instandsetzungsarbeiten für die Kläranlage wurde noch nicht einmal begonnen. Der verzögerungsbedingte ökologische Schaden, der durch den Austritt der Abwässer in den See für ein Jahr entstanden ist, erfordert mindestens 5 Jahre zum Ausgleich. Die Verzögerung ist ein kostspieliger Schaden den man nicht berücksichtig. Wer bezahlt ihn?
Weil die eingesetzten Mittel der Region unzureichend sind, sichern die in der Ausschreibung zur Instandsetzung enthaltenen Arbeiten nicht die komplette Funktionalität des Ringkanals: weder die Dichtigkeitsprüfung der die Pumpstationen verbindenden Rohrleitungen ist vorgesehen, noch die Revision aller Pumpstationen. Die Endabnahme kann daher die tatsächliche Funktionsfähigkeit des Systems nicht sicherstellen, sondern nur die Teile betreffen, die in der Ausschreibung enthalten waren. Auf jeden Fall sind weitere Maßnahmen nötig, und schließlich eine Endabnahme vom Beginn des Ringkanals bis zum Ausgang der Kläranlage.
Weitere kritische Punkte sind die Mängel in den gemeindlichen Abwassernetzen und das Fehlen der korrekten Abwasserentsorgung am Ostufer des Sees. Da die Gemeinden nicht über die erforderlichen Mittel verfügen, fordern wir die Region Latium auf, dafür ein außerordentliches Budget vorzusehen, da sonst der Zustand „gut“ nicht erreicht werden kann. Der Staat und die Region Latium müssen baldmöglichst mit einem glaubwürdigen Programm öffentlicher Arbeiten einschreiten, das dann möglicherweise mit Mitteln der EU unterstützt werden könnte.
Aus diesem Grund schlagen vor, dass die Präfektur sich dafür einsetzt, Strafzahlungen für den italienischen Staat zu vermeiden, und die Bürgermeister zu überzeugen, dass die Einhaltung der Richtlinien für den See notwendig ist, und zudem vorteilhaft für die Gemeinden und deren Bürger.
Der Präfekt ist mit Sicherheit die beste Instanz jetzt – wo die Sommersaison zu Ende geht – alle jene an einen Tisch zu bringen, die an einem guten Zustandes des Sees interessiert sind und Vorkehrungen treffen wollen, dass er wieder den Zustand „gut“ erreicht.
Wir bitten also um ein Treffen mit den Assessoren, am besten zusammen mit dem mit der Leitung der Arbeiten beauftragten Beamten. Bei dieser Gelegenheit werden wir auch über unsere verschiedenen Kontakte zu den Organen der europäischen Union berichten. Wir möchten dabei auch einige offene Fragen zu den Instandsetzungsarbeiten klären, und die Antworten zur Transparenz auf unsere Internetseite stellen wollen. Wir sehen es als unsere Aufgabe an, die Bevölkerung mit unserer Seite zu informieren, einschließlich des vorliegenden Briefes.
Mit vorzüglicher Hochachtung,
die Vereine Lago di Bolsena und Bolsena Lago d’Europa


