Gute Nachrichten für den See. Im Laufe des gerade zu Ende gegangenen Winters wurde, dank geeigneten Wetters, sein Wasser komplett durchmischt und auch in großen Tiefen mit Sauerstoff versorgt. In den beiden vorhergehenden Jahren hat dieser lebenswichtige „Schluck Sauerstoff“ gefehlt, der es heuer jedoch erlauben wird, während vieler Monate des Jahres den Phosphor im Seegrund zu binden: Phosphate sind der Hauptfaktor für die Verschlechterung der Wasserqualität.

1. Gesamt-Phosphorkonzentration, Temperatur und Konzentration des gelösten Sauerstoffs als Funktion der Tiefe, gemessen in Seezentrum am 14. März.
Die komplette Durchmischung führt zu einer fast gleichmäßigen Verteilung aller wesentlichen physikalischen und chemischen Parameter (Temperatur, Gehalt an Sauerstoff und anderen chemischen Substanzen wie Phosphor – siehe die erste Grafik) und erlaubt es, deren Mittelwerte mit hoher Genauigkeit zu bestimmen. Die Messungen – vertikale Profile mit einer Multiparametersonde und Probeentnahmen in sieben verschiedenen Tiefen – wurden am 14. März 2022 vorgenommen. Die chemische Analyse der Proben wurde, wie schon seit 20 Jahren, von einem der renommiertesten Labore Italiens, dem IRSA-CNR von Verbania Pallanza, durchgeführt.
Die schlechte Nachricht ist allerdings, dass wir mit Sicherheit bestätigen können, dass der Phosphorgehalt des Bolsenasees die Schwelle von 15 µg/l überschritten hat und sein Gesamtzustand somit nicht mehr „gut“, sondern nur „ausreichend“ ist, mit einer negativen Tendenz, die sich seit Jahren zeigt (siehe zweite Grafik).

2. Evolution der mittleren gewichteten Gesamt-Phosphorkonzentration im See nach maximaler Durchmischung. Rote Linie: Linearer least-squares Fit an die Konzentrationswerte.
Diese Verschlechterung ist die Folge der unverantwortlichen Bewirtschaftung des Sees in der Vergangenheit, mit dem Zusammenbruch der Abwasserentsorgung im Ringkanal und der ungenügenden Aufmerksamkeit, die man der Überwindung nicht nachhaltiger landwirtschaftlicher Techniken im Seebecken geschenkt hat.
Dank der Sensibilisierung und Bewusstseinsbildung der lokalen Verwaltungen und der Region Latium, die umfangreiche Mittel bereitstellt , hat sich in den letzten Jahren der Phosphoreintrag aus Abwässern reduziert (siehe hier). Wir hoffen, dass die Bemühungen der neu entstandenen Bioregion Bolsenasee zu einer Reduktion des Nährstoffeintrags aus der Landwirtschaft beitragen werden. Wie auch immer, bevor der Zustand des Sees sich verbessern kann, muss er das schwere Erbe langer Jahre der Vernachlässigung verarbeiten.


