Während das Projekt Windpark Tuscania (16 Windräder, 250m hoch, mit einer Gesamtleistung von 90 MW) im Süden des Sees, nach einer ersten Phase der Öffentlichkeitsbeteiligung in abgeänderter Form neu eingereicht wurde, wurde kürzlich ein neues Projekt im Norden in der Gegend von Castel Giorgio – Orvieto, mit 7 Turbinen und einer Leistung von je 6 MW publiziert. Östlich des Sees steht ein Projekt mit Megawindrädern zwischen Montefiascone und Bagnoregio bevor; zudem sind verteilt im gesamten Seebecken kleinere Windräder mit einer Leistung knapp unter 1 MW projektiert und teilweise umgesetzt (siehe hier).
Um das Projekt in Tuscania zu verhindern, haben die zahlreichen aktiven Bürger und Vereine (darunter auch BLEU) in der neuen Phase der Bürgerbeteiligung viele Beobachtungen an das Minsterium für Ökologie gesandt. Sie werden in Kürze auf der Seite des MITE publiziert. Sie stellen die vielen kritischen Aspekte des Projektes dar: die drastische Beeinträchtigung des Landschaftsbilds, den Umstand dass es Gemeindefluren ihrer „unabänderlichen Bestimmung zur Land-, Wald- und Viehwirtschaft“ entzieht (siehe hier), oder die Verschmutzung durch Mikroplastik durch die Abnutzung der Rotorblätter (laut einer norwegischen Studie). Die von den Seevereinen vorgebrachten Argumente sind (siehe hier):
- Die mangelhaftige und oberflächliche Untersuchung der lokalen Fauna: Die dem Projekt beigelegte Studie ist lückenhaft und unvollständig und enthält eine fehlerhafte Bewertung des Tötungsrisikos von Vögeln und Fledermäusen durch die Turbinen.
- Die Verletzung der Vorschriften der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie.
- Die unzureichende Erörterung der Gesundheitsgefährdung durch den Bruch oder die Ablösung eines Rotorblatts oder durch den Zusammenbruch des Windrades;
- Der unzureichende Erörterung der Alternativen zum Windpark.

Reste des Turms einer Windenergieanlage stehen im Wald. Das fast 240 Meter hohe Windrad ist in sich zusammengestürzt. Haltern am See, 29 September 2021.
Dieser im letzten Punkt angesprochene Mangel gilt für alle oben aufgezählten Projekte, die es ohne Ausnahme unterlassen die offensichtliche Alternative, welche den Einfluß auf Umwelt und Landschaftsbild reduzieren würde, in Erwägung zu ziehen: nämlich die Windräder im nahen Meer anzusiedeln. Dies kann weit von der Küste weg geschehen; allerdings ist ihr Einfluß auf das Ökosystem im Meer sorgfältig zu untersuchen. Die Offshoreanlagen stellen ein enormes Potential für Italien dar, wurden aber bisher unerklärlicherweise nicht in Betracht gezogen – während man in Europa und der Welt Offshoreanlagen seit vielen Jahren baut. Mit evidenten Vorteilen: Geringer Umwelteinfluß und bessere Energieausnutzung dank der vorteilhaften Windbedingungen und des Umstands, dass man im Meer Anlagen mit größerer Leistung realisieren kann (man nähert sich dem aktuellen technologischen Limit von 20MW je Windrad). Diese Lösung würde es erlauben, Landschaft und Umwelt zu schützen, und gleichzeitig dem Erfordernis nach einer ökologischen Wende Genüge zu tun.


