Haselnußplantagen – die neue Mode

Seit einigen Jahren ist rund um den Bolsenasee ein Zuwachs an Haselnußplantagen zu verzeichnen, ausgelöst von einer Vereinbarung, die im Mai 2015 zwischen der Region Latium, dem internationalen Konzernen Ferrero und der Ismea (eine öffentliche Einrichtung für Dienstleistungen im Agrarbereich) unterzeichnet wurde. Unterstützt wird dieses Projekt durch Mittel aus dem Fond zur ländlichen Entwicklung. Gleichzeitig wächst von Jahr zu Jahr die Besorgnis vieler Bürger hinsichtlich möglicher Umweltschäden durch die Haselnußplantagen.

Wir haben schon mehrere Male über dieses Thema berichtet, bemühen uns Informationen dazu zu erhalten und weiterzugeben, die Bürgerschaft und die öffentliche Verwaltung auf die möglichen Gefahren für den See durch eine massive Ausbreitung der Haselnußplantagen aufmerksam zu machen:

  • die Verschmutzung des Wassers durch Dünge- und Spritzmittel;
  • nicht nachhaltiger Verbrauch des Wassers für die Bewässerung;
  • Schäden am Ökosystem des Sees durch die Reduktion der Biodiversität im Seebecken.

Dass diese Besorgnis begründet ist, können wir an zwei Beispielen direkt vor unseren Augen sehen. Eines ist der Vicosee, sehr in Mitleidenschaft gezogen durch die ausgedehnten Monokulturen der Haselnüsse, eutrophiert, sein Wasser verschmutzt, die Gesundheit der Bevölkerung ist gefährdet. Das zweite ist der Braccianosee, wo das drastische Absinken des Wasserspiegels zum Teil den Entnahmen zur Bewässerung der Haselnüsse aus dem Grundwasser zuzuschreiben ist.

Die Bürgerschaft, die Umweltvereine um den See und das neu gegründete Netz zum Schutz der Umwelt (RIPA) sind auf unterschiedlichste Art aktiv: sie informieren über Zeitungen, machen Recherchen hinsichtlich der Risiken und möglicher Alternativen, schreiben Briefe an die Fachorganisationen der Landwirtschaft, treten in Kontakt mit der europäischen Kommission, wenden sich mit einer Anhörung ans europäischen Paralment und organisieren eine Tagung “I Noccioli del Problema” die kürzlich in Orvieto mit berührenden Worten aus dem täglichen Leben der Bauern der Region ihren Abschluß gefunden hat.

Wir haben uns mit offiziellen Anfragen an die Regionen Latium, Umbrien und Toscana gewandt hinsichtlich der verpflichtenden Umweltverträglichkeitsprüfung wegen möglicher schädlicher Auswirkungen der Haselnüsse und der damit bepflanzeten Landstriche auf die Umwelt. Wir unterstützen eine Erhebung der Haselnußplantagen durch die Bürger. Wir haben einen Vorschlag für eine Verordnung zum Gebrauch der Spritzmittel erarbeitet, die wir den Gemeinden um den See vorschlagen wollen und wir bereiten öffentlichen Veranstaltungen in unserer Gegend vor.

Wir sind gegen eine Umwandlung unseres Gebieten in eine Zone ausgedehnter industrieller Landwirtschaft in den Diensten von Ferrero oder anderer Konzerne und schlagen eine klare Vision für die Zukunft unseres Sees vor: Gesundheit und Wohlstand, der aus dem Schutz der Umwelt entsteht, aus einer nachhaltigen Entwicklung unserer reichen kulturellen und landschaftlichen Schätze.

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