Die Trockenheit und der See

In einem aktuellen Artikel des Osservatorio Ambientale del Lago di Bolsena wird der Einfluss der Trockenheit dieses Jahres auf den See analysiert. Wir fassen hier die wichtigsten Ergebnisse zusammen.

Nach den Vorhersagen der IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) wird sich der durch den Klimawandel verursachte Wassermangel in der Zukunft zuspitzen. Es ist daher notwendig, sofort Maßnahmen zu setzen um den See zu schützen und seine Bewirtschaftung, auf die bisher zu wenig Aufmerksamkeit gerichtet wurde, zu verbessern.

Es ist nicht nur der Mangel an Regen der den Seespiegel um 50 cm unter den optimalen langjähren Durchschnitt fallen ließ (was den Gänsen erlaubt, im Hafen von Marta spazieren zu gehen, wie man am Foto oben sehen kann). Zwei weitere Faktoren haben dazu beigetragen: die fortschreitende Abnahme der im vulkanischen Grundwasserbecken des Sees gespeicherten Wasserreserve, und eine zu unbekümmerte Öffnung der Schleusen zum Fluß Marta.

Schematische Darstellung des Grundwasserleiters des Sees. Der See ist der sichtbare Teil eines ausgedehnten Grundwasserleiters, der aus dem freien Seevolumen einerseits, und aus dem in permeablen pyroklastischen Ablagerungen enthaltenen Grundwasser (mit Punktierung angedeutet) besteht. Der Seespiegel wird von der Bilanz aus Wassereinträgen und -abgängen bestimmt.

Die notwendigen Maßnahmen können aus dem nebenstehenden Schema der Wasserbilanz abgeleitet werden –  einerseits eine Reduktion der Wasserverluste aus dem Sees (rote Pfeile) und andererseits eine Veränderung und Vermehrung der Zuflüsse (blaue Pfeile).

Um die Wasserverluste zu verringern, muß man die Entnahmen reduzieren, ebenso wie die Verluste durch Verdunstung aus den Böden und der Vegetation. Der Abfluss in die Marta ist besser zu kontrollieren. Schwieriger ist es, die Wassereinträge zu erhöhen, da diese ausschließlich vom Regen kommen: doch auch das scheint möglich durch geeignete Massnahmen in den Bewuchs (Bäume pflanzen!) und das Landschaftsbild. Eine wichtige Maßnahmen ist, die Auffüllung des vulkanischen Grundwasserbeckens zu unterstützen, weil auf diese Art ein kontinuierlicher, langsamer Wasserzufluß auch in Trockenperioden garantiert werden kann.

Wenn der See im Stande sein soll uns seine Dienste zur Verfügung zu stellen – Trinkwasser aus seinem Grundwasserbecken, gesundes Badewasser für unsere Erholung und für den Tourismus, und darüberhinaus Wasser zur Bewässerung der Kulturen – ist es unverzichtbar, dass er mit seinem Wasservorrqt geschützt wird, dass Verschmutzungen vermieden werden und dass seine Ökosysteme gesund und nachhaltig sind. Wir wollen nicht die Fehler wiederholen, die den Wasserstand im Braccianosee gravierend reduziert haben (siehe hier) oder die das Wasser des Vicosees verunreinigt haben (siehe hier).

Im Osservatorio werden folgende Maßnahmen vorgeschlagen:

  • Den Wasserkonsum begrenzen und Verschwendung vermeiden: in unserem täglichen Verhalten (siehe hier), im Leitungsnetz, in der Landwirtschaft durch eine Bewirtschaftung der Böden und andere Kulturmaßnahmen zur Reduktion der Verdunstung, des Oberflächenabflußes und der Erosion. Kulturen mit hohem Wasserverbrauch, die unserer Zone nicht entsprechen, sind zu vermeiden, die Bewässerungssysteme sind zu optimieren.
  • Ausschalten unstatthafter Entnahmen, wie die Brunnen für die Bewässerung der neuen Haselnußplantagen.
  • Sanierung der Böden und der Ökosysteme, um ihre Widerstandsfähigkeit zu erhöhen.
  • Herstellung von Bedingungen, die Niederschläge begünstigen, durch das Pflanzen von Wäldern und bewaldeten oder strauchartig bewachsenen Streifen.
  • Regen- und Grauwasser sammeln und im Boden versickern lassen.
  • Nutzung von gereinigtem Abwasser für die Bewässerung.
  • Schutz des Sees und des Grundwasserbeckens vor Verschmutzung, und Schutz seiner Ökosysteme.
  • Vertiefen des Kenntnisse über den Zustand des Sees und über die Parameter und Mechanismen, die seine Entwicklung bestimmen.

 

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