Am Donnerstag 11. Juli um 15.30 fand im Palazzo dei Priori in Viterbo ein außerordentlicher öffentlicher Gemeinderat statt zu den Risken für die öffentliche Gesundheit durch chemische Substanzen, im Besonderen Arsen, Radon und Spritzmittel. (siehe auch Artikel in lamiacittanews.it)
Der Gemeinderat hat fast fünf Stunden gedauert und war von zahlreichen Fachexperten besucht. Dr. Angelita Brustolin von der ASL Viterbo hat die Zahlen zu den Tumoren in der Provinz Viterbo präsentiert, Dr. Daniela D’Ippoliti von der Abteilung für Epidemiologie des Gesundheitsdienstes Latium hat eine Studie der Auswirkungen des Arsens auf die Bevölkerung einiger Gemeinden von Tuscia gezeigt, Ing. Pietro Paris von der ISPRA hat über den Zuammenhang zwischen der Auswirkung von Unkrautvernichtungs- und Spritzmitteln auf die Umwelt und die Gesundheit gesprochen (siehe auch Artikel in tusciaweb.eu), Dr. Milena Bruno vom Institut Superiore di Sanità hat diverse Studien über den Vicosee gebracht, Prof. Umberto Mosato vom Institut Sanità Pubblica dell’Università Cattolica del Sacro Cuore di Roma hat den Zusammenhang zwischen Unkrautvernichtungs- und Spitzmitteln und dem Auftreten von Krankheiten dargelegt und Prof. Nicola Lacetera von der Abteilung DAFNE der Univerität Tuscia hat die Debatte mit einer Reflexion über die ausgewogene Nutzung von Spritzmittel, um die wirtschaftliche Entwicklung des landwirtschaftlichen Gebietes zu erhalten, abgeschlossen. Verschiedene Gemeinderäte haben dann Kommentare zu den Ausführungen der Experten gemacht.

Rotalgen am Vicosee, Winter 2017 (Il Messaggero)
Um die Reflexion zur Zukunft des Bolsenasees zu unterstreichen, berichten wir kurz was von Dr. Milena Bruno von der ISS im speziellen gesagt wurde. Die Wissenschaftlerin hat über die Plage des Planktothrix Rubescens (gemeinhin bekannt als Rotalge) die seit Jahren auf Grund des Anstiegs des Phosphors im Seebecken des Vicosees in den kalten Jahreszeiten blüht. Dr. Bruno erklärte, dass es sich um ein Zyanbakterium handelt, das giftige Mikrocystine produziert, die nach verschiedenen wissenschaftlichen Studien für Krankheiten wie Parkinson, Alzheimer, neurologische Störungen, Tumore und allergische Reaktionen verantwortlich ist. Die zwei Gemeinden, die das Trinkwasser vom Vicosee erhalten (Caprarola und Ronciglione) mußten spezielle Vorkehrungen treffen (für Arsen und für die Mikrocystine) um das verunreinigte Seewasser zu reinigen. Dr. Bruno hat auch eine Studie zitiert, die seit einigen Jahren mit den Satelliten Sentinel-3 und Sentinel-2 vorangetrieben wird, im Rahmen des europäischen Satellitenprogramms „CyanoAlert“ um die Präsenz von Chlorphyll, Schwermetallen, die Blüte der giftigen Zyanbakterien festzustellen ebenso wie das Ablassen chemischer Substanzen und von Jauche, die über die Bäche in den Vicosee gelangen. Diese Erhebungen haben das hohe Niveau von Phosphor im See bestätigt woraus resultiert, dass der Vicosee auf halbem Weg zur Klassifizierung „mesothroph“ oder „eutroph“ ist, mit anderen Worten zu einem „gekippten“, toten See wie mehrmals von Prof. Nascetti von der Universität Tuscia erklärt wurde. (siehe auch Artikel in etrurianews.it)
Milena Bruno hat dann auch über die Analyse der Fische im Vicosee gesprochen, im speziellen über den Coregone, in dem Giftstoffe festgestellt wurden, die den zulässigen Grenzwert um das 38fache überschreiten.
Es wurden auch Analysen der Haselnüsse gemacht, die in ausgedehnten Plantagen um den See kultuviert werden. Dabei wurden die Früchte der Bäume untersucht, die direkt am Ufer des Sees stehen und deren Wurzeln das Wasser direkt aus dem von Cyanbakterien verseuchten Wasser holen und denen, die sich in 20km Entfernung in erhöhter Lage befinden. Dabei wurde festgestellt, dass die Haselnüsse am See verunreinigt sind, jene in 20km Entfernung nicht.
An diesem Punkt gab es spontan einige Fragen:
- Können wir es uns am Bolsenasee, mit einer Wasseraustauschzeit von zirka 3 Jahrhunderten erlauben, uns in einer Situation zu befinden in der wir die Universität Tuscia bitten müssen, die löblichen Mildungerungsmaßnahmen in Aktion zu setzen, die sie beim Vicosee angewandt hat (der eine Wasserwechselzeit von 17 Jahren hat) und die bis jetzt leider die Verschlechterung noch nicht aufgehalten haben?
- Wollen wir – am Bolsenasee – zu dem Punkt kommen, regelmäßig Veranstaltungen organisieren zu müssen über die Statistiken und Zuammenhänge zwischen der Nutzung von Unkrautvernichtungs- und Spritzmitteln und den Tumoren und anderen Krankheiten?
- Wäre es nicht besser vorzusorgen? Wäre es nicht vielleicht besser gegen die Fehlinformation und die ökonomische Spekulation zu kämpfen die unser ganzes Gebiet total schädigen könnte? Wäre es nicht besser für den Schutz der professionellen Fischerei, den Tourismus und die ausgezeichneten Produkte des Gebietes einzutreten?
- Wäre es nicht besser wenn alle gemeinsam mit lauter Stimme die Abschaffung der regionalen Förderung für Haselnußplantagen (den Grund findest du hier) fordern würden und ihre Umstellung auf andere biologische Kulturen im hydrogeologischen Becken des Sees und dem angrenzendem Hochplateau von Alfina?
- Wäre es nicht besser diesen wichtigen Moment der Reflexion über Zukunft der Landwirtschaft in unserem Gebiet zu nutzen, um gute landwirtschaftliche Praktiken zu verbreiten, um den Gebrauch von Spritzmittel in allen Kulturen durch nachhaltige Methoden zu ersetzen, die durch ihre Charakteristik unsere großen Schatz an Biodiversität nicht beeinträchtigen?
Die Fehlinformation ist der größte Feind des Wohlergehens der Gemeinschaft. Wir sind aufgefordert laufend zu informieren um zumindest in unserem Gebiet das Risiko zu verhindern, dass ein Produktions- und Wirtschaftssystem, das am maximalen Gewinn orientiert ist, die Landwirte dazu bringt falsche Entscheidungen zu treffen, und damit auch das Recht auf eine nachhaltige Zukunft künftiger Generationen zu beeinträchtigen.


