Stand vom 7.11.2018
Wenige Tage nach unserer letzten Nachricht über die Instandsetzungsarbeiten am Ringkanal hat eine Inspektion von Experten der M5S in einigen Pumpstationen festgestellt, dass noch immer manche der vorgesehenen Arbeiten nicht abgeschlossen sind, wie beispielsweise die Anschlüsse der neuen elektrischen Einrichtungen und die Installation neuer Pumpen. Laut Angaben seitens der Direktion von COBALB hätten diese Arbeiten bis Ende Oktober fertig sein sollen.
Die Arbeiten gehen aus verschiedenen Gründen nur sehr langsam voran. Einerseits weil der Teil der Mittel, der für die Instandsetzung des Ringkanals vorgesehen war (ca. 400 Tausend von den insgesamt 1,2 Mio €), bereits seit Monaten aufgebraucht ist und daher schon mehrfach durch neue Mittel ergänzt werden musste. Andererseits, weil der Druck die Arbeiten abzuschließen fehlt, jetzt wo die Saison vorüber ist und das System der Pumpstationen grundsätzlich funktionieren sollte. Obwohl es gestern, am 6. November 2018, wieder einen groben Schmutzwasseraustritt bei der Pumpstation 13 gab, möglicherweise verursacht durch eine Unterbrechung der Stromversorgung.
Vorerst landen alle Abwässer weiterhin auf unbestimmte Zeit in den Fluss Marta. Verschiedene Maßnahmen die für den Ringkanal vorgesehen waren, wie der Austausch der Rohre in einigen Abschnitten und das Fernalarmsystem sind verschoben. Die Arbeiten an der Kläranlage wurden noch gar nicht begonnen und es gibt keine Angaben wann sie beginnen werden. Nicht zu vergessen, dass die vorgesehen Maßnahmen noch keinen ausreichenden Schutz des Sees gewährleisten: es fehlt die Dichteprüfung der Rohrleitungen des Ringkanals, die Instandsetzung der Stromaggregate in den Stationen, die Reparatur der Kanalsysteme der Gemeinden, eine Lösung für die Abwässer auf der Westseite ….
Sicherlich hat auch die Region Latium ihren Teil zu den Verzögerungen beigetragen, auch aus Unmut über und in der Absicht politischen Druck auf die vielen Gemeinden auszuüben, die sich weigern der Talete beizutreten (einziger Bewirtschafter für Wasser und Abwasser im ATO 1 Latium Nord – Viterbo 2007). Dieser Unmut wurde auch vom Referenten der Region Mauro Allessandri in seiner Drohung deutlich geäußert, die nicht willigen Gemeinden unter kommissarische Verwaltung stellen zu lassen. Weiterhin machte er darauf aufmerksam dass „die gesamten Kosten der Wasserbewirtschaftung durch die Tarife gedeckt sein müssen“, womit er ein komplexes Thema (zu) sehr vereinfacht.
Das Gesetzesdekret 152/2006 legt die einheitliche Wasserbewirtschaftung in den ATO (ambiente territoriale ottimo) fest. In Anwendung dieser Verordnung begann 2010 die Bewirtschaftung durch Talete und die Region beendete die Finanzierung von COBALB, die aber de facto weiterhin Bewirtschafter des Abwassersystems um den See geblieben ist. 2015 drohte die Region bereits zum ersten Mal damit, die Gemeinden, die nicht Talete beigetreten sind, unter kommissarische Verwaltung zu stellen.
Es war und ist die Verantwortung der Region diese adminstrativ-poltische Pattsituation aufzulösen, die letztlich die Ursache der aktuellen Probleme des Sees ist und deren Akteure abgesehen von der Region die Gemeinden, COBALB und Talete sind. Ein Faktum das in dieser Situation große Auswirkungen haben wird ist die Insolvenz der COBALB, die vor kurzem Konkurs angemeldet hat.


