Wie hoch ist der Wasserstand des Bolsenasees?

Der Wasserstand der italienischen Seen steht jetzt im Zentrum der Aufmerksamkeit (z. B. hier), und auch der des Bolsenasees (siehe unsere vorhergehende News und diverse Artikel in der Lokalpresse): ist er zu hoch? Zu niedrig?

Messstation der AEGIS im Hafen von Marta

Versuchen wir der Sache auf den Grund zu gehen: Eine Website der Region Latium (AEGIS) übermittelt die Daten der telematischen Wasserstandsmessstation „Marta“ (ID = 45319), die im Hafen von Marta installiert ist. Für den 3. August gibt sie einen Wasserstand von 110 cm an.

Messstation der AUBAC im Hafen von Marta

Auf der Website der AUBAC (Autorità di Bacino Distrettuale Appennino Centrale, hier) finden sich Daten einer weiteren digitalen Messstation „Lago di Bolsena“ (ID = 3), die sich ebenfalls im Hafen von Marta, unweit der ersten, befindet: Am 3. August zeigte sie einen Wasserstand von 74 cm an.

Am selben Tag zeigte die Messlatte im Hafen von Capodimonte (ein traditionelles, direkt ablesbares Messinstrument, das vor etwa 30 Jahren von Piero Bruni und seinen Mitarbeitern für den Verein Lago di Bolsena installiert wurde) einen Wasserstand von 100 cm an.

Eine weitere Pegellatte im Hafen von Marta (neben der AUBAC-Station) zeigt einen Wasserstand von 76 cm an, eine im Hafen von Bolsena 34 cm.

Zugegeben, diese unterschiedlichen Pegelstände sind verwirrend! Dabei messen alle Instrumente dieselbe Oberfläche desselben Sees, die eigentlich keine Höhenunterschiede aufweisen sollte. Wie lässt sich das erklären – ein übernatürliches Phänomen?

Und vor allem: wie hoch ist der tatsächliche Wasserstand des Sees?

Pegeländerungen ab dem 1. Juli 2026, gemessen von den verschiedenen Messstationen

Verfolgt man die täglichen Pegeländerungen über einen bestimmten Zeitraum (siehe nebenstehende Grafik), so stellt man fest, dass sie für die verschiedenen Messstationen identisch sind, jedoch mit einer systematischen Verschiebung aller Werte von einer Station zur anderen. Könnte es sein, dass sich alle diese Messungen auf verschiedene Referenzpegel, auf verschiedene Nullpunkte also beziehen?

Für Seen wie den Bolsenasee, ein „am Ausfluss regulierter See“, ist es eine good practice, die Höhe der Schwelle zwischen See und Ausfluss als Bezugsniveau zu verwenden – für unseren See ist dies sogar vorgeschrieben. Im Bolsenasee ist dies die steinerne Schwelle in der „Traversa sul Marta“, auf der die Schleusentore im geschlossenen Zustand ruhen. Durch das Öffnen der Schleusentore wird der Abfluss des Sees reguliert.

Der Nullpunkt der Messlatte von Capodimonte entspricht exakt der Höhe dieser Schwelle (die ihrerseits 303,41 Meter über dem Meeresspiegel liegt) – der Messwert gibt daher direkt an, um wie viel der Seespiegel das Niveau der Schwelle übersteigt. Die Korrektheit dieser Messung lässt sich leicht durch eine direkte Messung an der Traversa überprüfen, die wir regelmäßig durchführen.

Zweifellos ist die einzig korrekte Messung des Wasserstands die des Vereins Lago di Bolsena. Weder AEGIS noch AUBAC geben an, welches Referenzniveau sie verwenden.

Es ist von größter Wichtigkeit, den Wasserstand des Sees gemäß der in den Vorschriften festgelegten Kriterien zu regulieren (wir werden diesen Punkt im nächsten Newsletter behandeln). Dazu ist es unerlässlich, den Wasserstand ständig eindeutig zu kennen, ihn mit dem in den Vorschriften vorgeschriebenen Wert zu vergleichen und den Abfluss aus dem Marta so zu steuern, dass diese Differenz ausgeglichen wird.

Um die Unterschiede zwischen den jeweiligen Messungen zu klären, die zu ungeeigneten Bewirtschaftungsmaßnahmen führen könnten, hat der Verein Lago di Bolsena die Region und die AUBAC angeschrieben. Wir warten noch auf Antwort.

Messlatte im Hafen von Capodimonte

 

 

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