Warum wird der Wasserstand des Bolsenasees reguliert? Und wie?

Bei den meisten Seen weltweit wird der Wasserpegel reguliert, um zu verhindern, dass er im Vergleich zum mittleren natürlichen Niveau zu hoch oder zu niedrig wird. Schon seit der Antike hat der Mensch versucht, mit gezielten Eingriffen Schäden durch Schwankungen des Wasserstands in Seen und Flüssen zu vermeiden, und um den größtmöglichen Nutzen aus diesen Gewässern ziehen zu können.

Ein zu hoher Wasserspiegel des Sees bringt verschiedene Gefahren mit sich:

  • Überschwemmungen und damit Schäden an Häusern, Straßen und anderen Infrastrukturen,
  • eine Erosion der Ufer,
  • eine Reduzierung touristisch genutzter Strände.

Grafik 1: Optimaler mittlerer Pegelstand gemäß der Studie „Gestione dell’Incile del Lago di Bolsena“ (Bewirtschaftung des Abflusses des Bolsenasees) der Universität Roma 3. Ebenfalls dargestellt sind (in Rot) die oberen und unteren Warnschwellen, der mittlere Wasserspiegel (in Blau) sowie der aus ökologischer Sicht zulässige Mindestwasserstand (in Violett).

Wenn dagegen der Wasserspiegel zu weit absinkt,

  • werden die Häfen nicht mehr befahrbar,
  • entstehen Schäden an aquatischen Lebensräumen und Uferzonen, und
  • ist ein ausreichender Wasserstand im Emissärfluss nicht mehr garantiert.

Gerade heute ist ein korrektes Management des Wasserspiegels von besonderer Bedeutung, da es gilt, die absehbaren Folgen des Klimawandels – wie langanhaltende Dürreperioden, extreme Niederschlagsereignisse sowie eine verstärkte Verdunstung von der Seeoberfläche, und erhöhte Transpiration und Evaporation im Einzugsgebiet abzumildern.

Der Wasserpegel des Bolsenasees wird über die Öffnung der fünf Schleusentore (die „bocchette“) der „Traversa sul Marta“ geregelt, welche den Abfluss in den Fluss Marta bestimmt. Dabei wird den Vorgaben einer Studie der Universität Roma 3 gefolgt, welche Tag für Tag den „optimalen mittleren Pegelstand“ vorschreibt (siehe Grafik 1). Mit dem Beschluss der Regionalregierung vom 14. April 2016 wurde die Anpassung des aktuellen Wasserspiegels an diesen optimalen Mittelwert rechtlich verpflichtend.

Diese Optimumskurve zeichnet den natürlichen Jahresverlauf des Wasserstands nach und erlaubt zudem, die oben aufgeführten Bedürfnisse optimal zu befriedigen.

Voraussetzungen für eine ordnungsgemäße Bewirtschaftung des Seepegels sind:

  • eine zuverlässige Messung für den aktuellen Seepegels,
  • die Möglichkeit, das aktuelle Niveau schnell an das vorgegebene optimale Niveau anzupassen,
  • ein wissenschaftliches und aktualisiertes Modell für das optimale Niveau.

Obwohl die Messungen heute mit modernen Instrumenten und auf den Millimeter genau durchgeführt werden, ist keine dieser Voraussetzungen erfüllt:

  • es liegen zwei verschiedene, jeweils von öffentlichen Ämtern durchgeführte Pegelmessungen vor, deren Werte um etwa 38 cm voneinander abweichen (siehe Grafik 2 und unsere vorherige News). Keine dieser Messungen entspricht nicht dem tatsächlichen Niveau;
  • die Regulierung erfolgt nur wenige Male im Jahr und scheint von keiner kohärenten Strategie geleitet zu sein;
  • das Modell für das optimale Niveau wurde vor 20 Jahren ermittelt und berücksichtigt nicht, dass sich mittlerweile die Randbedingungen geändert haben.

Es verwundert also nicht, dass die Übereinstimmung zwischen dem tatsächlichen und dem vorgeschriebenen Niveau unbefriedigend ist (siehe Abbildung 2) – 2020, 2021 und 2026 waren die tatsächlichen Werte höher als die vorgeschriebenen, in den anderen Jahren waren die tatsächlichen Werte viel niedriger.

Es ist daher erforderlich:

  • eindeutig zu klären, welcher der wirkliche Wasserstand des Sees ist,
  • die Regulierung der Schleusentore zu verbessern,
  • das Modell für den optimalen mittleren Wasserstand zu verbessern und zu aktualisieren.

Für eine in-depth Diskussion der Problematik, siehe hier den Artikel des Osservatorio Ambientale del Lago di Bolsena.

Grafik 2: Vergleich der ermittelten Werte mit der Norm, von 2020 bis Oktober 2026. In Schwarz der optimale Durchschnittswert gemäß der Verordnung, in Grün der vom AEGIS-Tool gemessene Kurve (Daten ab 2020 verfügbar), in Orange die vom AUBAC gemessene Kurve (Daten ab Ende Mai 2025 verfügbar), in Rot die monatlich erhobenen ALB-Daten, die dem tatsächlichen Pegel entsprechen (Messungen zwischen 2015 und 2022 unterbrochen).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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