Der Verkauf von 40 % der Anteile an Talete an private Investoren scheint unausweichlich. Talete ist ein Unternehmen in öffentlicher Hand, das für die Wasserversorgung in der Provinz Viterbo zuständig ist und damit eines unserer wertvollsten Gemeingüter verwaltet – das Wasser.
Die privaten Anteilseigner werden im Rahmen eines Ausschreibungsverfahrens ermittelt, das „im Hinblick auf mehr Transparenz“ von Invitalia, einem Unternehmen das dem Finanzministerium untersteht, beaufsichtigt wird (eine Zusammenfassung der Situation und der Mechanismen finden Sie im Artikel des Komitees „Non ce la beviamo“).
Zwei Jahre von Manövern, Verhandlungen und Druck auf die Kommunen, ohne jegliche Transparenz und ohne die geringste Beteiligung der Bürger, die eigentlich Protagonisten bei der Entscheidung über die Zukunft ihres Gemeinguts hätten sein sollen. Dieses Gut gerät nun unter die effektive Kontrolle „eines Industriepartners, der in der Lage ist, finanzielle Ressourcen und Management-Knowhow zu garantieren“ – eine Lösung, die vom Provinzpräsidenten Alessandro Romoli und dem alleinigen Geschäftsführer von Talete, Salvatore Genova, nachdrücklich unterstützt wird.
Wir machen uns keine Illusionen über die Folgen der privaten Bewirtschaftung öffentlicher Wasserressourcen: Ihr Ziel ist die Mehrung privater Güter, und nicht der Schutz der Gemeingüter. Wir haben dies bereits vor zwei Jahren in einem Beitrag diskutiert (siehe auch hier – Wasserprivatisierung: Geschichte eines Irrwegs).
Der Bolsenasee ist durch diese Privatisierung gefährdet, da schon jetzt die Wassermenge im Grundwasserleiter aufgrund übermäßiger, unkontrollierter und oft unrechtmäßiger Entnahmen abnimmt. So müssen wir unsere Vorräte bereits mit Wasser aus den Quellen im Amiatagebiet auffüllen (sind es diese, auf die ACEA es abgesehen hat?). Diese Ressourcenverknappung führt zu quantitativen und gesundheitlichen Problemen, die durch mögliche Wasserumleitungen in die maroden Verteilungsnetze Roms noch verschärft würden.
Leider ist das Wasser nicht das einzige Gemeingut, das verkauft, entfremdet, zerstört und aufgegeben wird – dazu gehören auch der Bolsenasee selbst, dessen jahrelange Vernachlässigung zur Eutrophierung geführt hat (darauf gehen wir in einer der nächsten News ein), seine Naturgüter, die durch die Bevorzugung privater Interessen zerstört, und die noch unbeeinträchtigten Naturräume in der weiteren Umgebung, die durch Energiespekulationen kolonisiert werden …
Es ist leicht, die Verursacher dieser Zerstörung, die ihre eigenen politischen, wirtschaftlichen und privaten Ziele verfolgen, in den Vordergrund zu stellen. Wir sollten aber dabei nicht unsere Verantwortung als Bürger, unser Eigentum zu schützen, vergessen. Nur verantwortliches Handeln gibt uns Macht – erinnern wir uns an diesem 14. Juli daran, dass wir „citoyens“ sein können, die ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen und Geschichte verändern!


