Die Frage der Privatisierung von Talete SpA und damit der Wasserversorung in der Provinz Viterbo ist aktuell und immer noch ungeklärt (hier ein ausführlicher Artikel des Osservatorio). Gewichtige Persönlichkeiten drängen darauf: der Präsident von Talete, Salvatore Genova, sowie Alessandro Romoli, Präsident der Provinz und der ATO 1, wollen 40% der Anteile an Private übertragen, um die großen finanziellen Problem der AG zu lösen.
Dieser Schritt wurde bereits von der Gesellschafterversammlung von Talete vorbereitet, die, um den Eintritt von Privaten in die Gesellschaft zu ermöglichen, die Statuten dahingehend geändert hat (siehe hier).
Tarquinia, Viterbo, Monte Romano, Soriano nel Cimino, Vasanello und Sutri haben daraufhin beschlossen, diese Entscheidung zu beeinspruchen (siehe hier).
Die Befürworter einer Privatisierung stellen bedeutende Vorteile in Aussicht: sofortigen Zufluss an Liquidität, weitreichende Zusammenarbeit mit anderen privaten Gesellschaften, Einsparungen bei der Bewirtschaftung sowie die Verbesserung von Effizienz, Schlagkraft und Wirtschaftlichkeit der Dienstleistung.
Das Hauptziel privater Investoren ist es aber nun, aus der Bewirtschaftung der Trinkwasserversorgung Profite zu schaffen, wobei in der Regel soziale Aspekte und der Umweltschutz zu kurz kommen. Vielerorts wurden die folgenden Auswirkungen einer Privatisierung beobachtet:
- drastische Erhöhung der Tarife,
- Verschlechterung der Wasserqualität und der Umweltbedingungen,
- Vernachlässigung der Infrastrukturen für Verteilung und Reinigung des Trinkwassers,
- Verschlechterung der Dienstleistung,
- steigende Arbeitslosigkeit im Sektor, weil ungelernte Hilfskräften zu niedrigen Kosten beschäftigt werden,
- keine Transparenz und Beteiligung der Öffentlichkeit.
Dabei wurde der wichtigste und grundlegende Punkt noch nicht angesprochen: hier wird ein öffentliches Gut von lebenswichtiger Bedeutung veräußert und zur Ware gemacht.
Diese negativen Konsequenzen sind Realität, wie uns viele Beispiele zeigen – die Trinkwasserbewirtschaftung in Rom durch ACEA mit drastischer Absenkung des Wasserstandes im Braccianosee und einem Leitungsverlust von ca. 40% des bereitgestellten Wassers, oder diejenige in der Provinz Frosinone (auch hier ACEA) mit einer starken Preiserhöhung, ohne dass damit die ankündigte Erneuerung der Infrastruktur bewerkstelligt worden wäre. Es gibt auch viele derartige Beispiele im Ausland, die schlimmsten in London und Manila.
Viele Beispiele aus Italien und dem Ausland zeigen dagegen, dass eine vollständige oder zumindest überwiegende Bewirtschaftung durch die öffentliche Hand in der Lage ist, eine gute und kostengünstige Wasserversorung sicherzustellen. Wer auch immer die Wasserversorung inne hat: es ist unvermeidlich, dass die Tarife nach und nach an einen adäquaten und kostendeckenden Tarif angepasst werden.
Halten wir fest, dass ein unter vielen Aspekten so kritischer Schritt wie die Privatisierung des Wasser nicht ohne eine korrekte Information der Bürger durchgeführt werden darf. Ohne Transparenz, ohne Einbeziehung der Bevölkerung in die Entscheidung, ohne alternative Lösungen ernsthaft zu untersuchen, und auch ohne dem Umstand Rechnung zu tragen, dass das Wasser, das man privatisieren möchte, das Herz einer Natura 200o Schutzzone ist – des Bolsenasees.


