Das Pilotprojekt von Torre Alfina ist in vielerlei Hinsicht ähnlich dem (Zwillings)Projekt in Castel Giorgio. Es ist ein geschlossenes System mit totaler Rückführung des geothermischen Fluids mittlerer Enthalpie, welches dem geothermischen Feld von Alfina entnommen wird. Über fünf Bohrungen werden 800 t/h an Fluid entnommen und über vier Bohrungen wieder zurückgeführt. Die Zentrale produziert 5 MW elektrische Energie (der 42 MW thermische Energie gegenüberstehen, die nicht genutzt werden kann, da es in der Nähe keine Abnehmer gibt). Sie soll im aufgelassenen Steinbruch „Le Greppe“ in der Gemeinde Acquapendente erstellt werden.

Lageplan der Anlage
Drei Entnahmebohrungen beginnen in der Nähe der Bohrung A1 von ENEL, der ersten, die in diesem Feld realisiert wurde und die in einer Tiefe von ca. 600m auf eine Gasblase (Kohlendioxid) getroffen ist, was zu einer Eruption geführt hatte. Alle Bohrungen stützen sich auf Erfahrungen aus den Erkundungen von ENEL und versuchen Zonen mit Brüchen und Verwerfungen, also solche mit hoher Durchlässigkeit, zu erreichen. Alle Bohrungen haben eine Tiefe von etwa 1.200 – 1.500 Meter.
Während die Anlage von Castel Giorgio die Entnahme von geothermischem Wasser mit Tauchpumpen vorsieht – wobei dann, um die Entwicklung von Verkrustungen zu vermeiden, im ganzen geschlossenen Kreislauf ein hoher Flüssigkeitsdruck aufrechterhalten werden muss – wendet die Anlage von Torre Alfina ein anderes Konzept an, hauptsächlich weil die Flüsse über Bohrungen entnommen werden, die die Gasblase (CO2) durchqueren, wo die Kohlendioxidkonzentration im Fluid niedrig ist (ca. 1,8%).
Das Fluid wird dem Becken mit einer Temperatur von ca 140°C ohne Einsatz von Pumpen durch Einpressen von Gas (Stickstoff) entnommen. In den Entnahmeleitungen trennt sich das Kohlendioxid vom Wasser so dass ein Zweikomponentenfluid entnommen wird. Mit dem Stickstoff wird eine Substanz eingepresst, die Verkrustungen durch Kalziumkarbonat verhindert, welche die Funktion der Anlage stören würden.
Bevor der Fluß in das ORC Kraftwerk (Organic Rankine Cycle – Verfahren des Betriebs von Dampfturbinen mit organischen Flüssigkeiten) eintritt, werden die im Fluid enthaltenen nicht kondensierbaren Gase vom Wasser getrennt. Im Kraftwerk erfolgt die Produktion von elektrischer Energie aus dem 130°C heissen Wasser. Am Ausgang des Kraftwerkes werden dem auf 70°C abgekühlten Wasser die abgekühlten Gase wieder zugemischt, und das Gemisch wird mit einem Druck von ca 15 bar rückgeführt. Das Projekt sieht einen Nettowirkungsgrad von 8,6% für elektrische Energie vor, was laut einschlägiger Literatur zu optimistisch ist.



