Der Bolsenasee ist der einzige See in Latium, der kein Naturschutzgebiet ist. Er ist auch der einzige, in dem Privatpersonen Motorboote benutzen können, und das ohne Leistungsbegrenzung. Dieser Umstand trägt zu seiner ökologischen Verschlechterung bei und ermutigt Organisatoren von Motorbootrennen, solche Veranstaltungen in den Seegemeinden vorzuschlagen.
Vor zwei Jahren haben wir uns erfolgreich gegen das „100 Miglia del Lago“ (siehe hier; eine Zusammenfassung der Umweltproblematik siehe hier) gestellt, eine unsinnige Veranstaltung, die der Gesundheit des Sees ernsthaften Schaden zugefügt hätte. Jetzt schlagen einige der damaligen Veranstalter ein „erstes Treffen historischer Boote, offen für alle Kategorien“ vor: Der Name täuscht ein friedliches Treffen historischer Fischerboote vor, vielleicht auch eine Ausstellung antiker Pirogen; es handelt sich jedoch um Rennboote, höchstens einige Jahrzehnte alt, die „mit Vollgas über den See rasen“.
Der Bolsena-See ist zwar gesetzlich nur unzureichend geschützt, er ist jedoch ein Natura 2000-Schutzgebiet. Seine Tiere und Pflanzen stehen unter dem Schutz der FFH („Habitat“)-Richtlinie und der Vogelschutz-Richtlinie, und als wichtiges Süßwasservorkommen ist er unter dem Schutz der Wasserrahmenrichtlinie. Ein wichtiger Schutzmechanismus ist in der Habitat-Richtlinie festgelegt. Diese fordert für alle Eingriffe, die negative Auswirkungen auf Arten und Lebensräume von gemeinschaftlicher Bedeutung haben können, dass präventiv eine Folgenabschätzung (Art. 6 Abs. 3 der Richtlinie 92/43/EWG) durchgeführt wird, um sicherzustellen, dass die vorgeschlagenen Eingriffe oder Aktivitäten keine wesentliche Störung des Umweltgleichgewichts verursachen.
Aus diesem Grund fragte der WWF Latium bei der regionalen Verwaltung nach, ob dieses Verfahren eingeleitet worden war und ob eine abschließende Bewertung vorliegt. Die Antwort der Region Latium kam schnell und klar: bis zum 19. Juli wurden weder die Umweltverträglichkeitsprüfung beantragt noch die nötigen Unterlagen eingereicht.
Das bedeutet, dass die geplante Veranstaltung nicht stattfinden kann, da die erforderliche Umweltgenehmigung fehlt. Hier der Link zur Pressemitteilung des WWF Lazio.


