Was uns am vergangenen Winter so gut gefallen hat – die vielen Sonnentage, die milden Temperaturen ohne den eisigen Nordwind, all das tut dem See nicht gut. Er braucht Kälte, viel Regen und starken Tramontana (wie auf dem Bild aus dem Jahr 2016), um bis zum Grund mit Sauerstoff versorgt zu werden.
In diesem Winter wurde nur eine dünne Oberflächenschicht des Seewassers mit Sauerstoff gesättigt. Die Messungen des Vereins Lago di Bolsena zeigen, dass das Seevolumen nicht durchmischt wurde und dass Mitte Februar am Grund des Sees noch vier Meter der Wassersäule völlig ohne Sauerstoff (im Zustand der „Anoxie“) waren. Das ist bisher noch nie festgestellt worden (hier finden Sie weitere Informationen).
Die starke Sonneneinstrahlung und die milden Temperaturen haben dazu geführt, dass, dank der reichlich vorhandenen Phosphate, bereits im Januar ein starkes Wachstum des Phytoplanktons einsetzte. Dies hatte auch einen positiven, aber leider nur vorübergehenden Effekt. Durch Photosynthese produziert das Chlorophyll des Phytoplanktons im Volumen des Wassers Sauerstoff, der sich in den tieferen Schichten des Sees ausbreiten und die Anoxie aufheben konnte. Der Sauerstoff wird jedoch in wenigen Wochen von den Bakterien, welche das abgestorbene Phytoplankton verdauen, verbraucht werden, und die Anoxie kehrt zurück.
In den letzten zwanzig Jahren ist der Sauerstoffmangel in unserem See immer ausgeprägter und anhaltender geworden, aufgrund zunehmender Verschmutzung durch Abwässer und Düngemittel. Nun kommt eine weitere Ursache hinzu, die diesen Mangel verstärkt: der Klimawandel. Seine Auswirkungen haben sich in diesem Winter deutlich gezeigt. An kalten, extremen Wintern wird es in Zukunft nicht fehlen, sie werden aber immer seltener werden.
Der Klimawandel stellt eine weiter Belastung für den See dar. Was können wir tun? Einerseits müssen wir versuchen, die Klimakrise einzudämmen, andrerseits sollten wir alle anderen Ursachen beseitigen, die die Gesundheit des Sees schädigen und schwächen. Vergessen wir nicht, dass der See eines unserer wertvollsten Güter ist!


