Widerstand gegen die Energiekolonisierung in der Alta Tuscia

„Probleme, die sich aus dem Bau von Anlagen zur Nutzung von erneuerbaren Energien, insbesondere von industriellen Windkraft- und Agri-Photovoltaikanlagen, in Tuszien ergeben“: Dies war das Thema der Anhörung der XII. Ständigen Ratskommission der Region Latium am 23. Oktober 2023.

Besorgt über die unkontrollierte Ausbreitung von Mega-Photovoltaik- und Windkraftanlagen (siehe auch hier), hatte das Coordinamento Ambientale della Tuscia, welches viele zivilgesellschaftliche Organisationen der Alta Tuscia vereint, Antrag auf Anhörung gestellt. Dieser war umgehend angenommen worden.

Vor einem zahlreichen und interessierten Publikum hatte zunächst die Bürgerschaft das Wort. Ihre Vertreter stellten die Gefahren für Landschaft, Umwelt, Landwirtschaft und die ökonomische und kulturelle Zukunft des Gebiets zwischen dem Bolsenasee und der tyrrhenischen Küste der Provinz Viterbo dar, und brachten konkrete Vorschläge zu dauerhaften alternativen Lösungen vor.

Ausgangspunkt ihrer Beiträge war die von der Region selbst im DGR Nr. 171 vom 12.5.2023 beschriebene aktuelle Situation:

  • Was Anlagen mit erneuerbaren Energiequellen (EEQ) in Latium betrifft, übertrifft der Beitrag der Region zum 19. April 2023 bereits die für 2030 festgelegten Ziele (eine installierte Leistung von etwa 5 GW).
  • Die für diesen Beitrag verantwortlichen bodengestützten Mega-Photovoltaik- und Windkraftanlagen weisen einen hohen Bodenverbrauch auf und haben erhebliche kumulative Auswirkungen auf Umwelt und Landschaft.
  • Es besteht ein eklatantes Missverhältnis in der Verteilung dieser Anlagen über die Region: die Provinz Viterbo produziert 78,08 % der Energie, Latina 13,70 %, Rom 6,58 %, Frosinone 1,64 %, Rieti 0 Prozent.

Die Bürgerschaft fordert demgemäß:

  • STOP der Genehmigung solcher Anlagen in der Provinz Viterbo, um
  • diese Pause zu einer sorgfältigen territorialen Planung mit einer gerechten Verteilung auf die Provinzen zu nutzen,und
  • die für EE-Anlagen geeigneten Gebiete auszuweisen und dabei die gesetzlich vorgesehenen Pufferzonen zu respektieren.

Die Zusammenfassungen unserer Beiträge finden Sie hier.

Danach dokumentierte die Superintendentin Margherita Eichberg diese beunruhigende Invasion der Provinz: „Es handelt sich um eine weitreichende Ausweitung zum Nachteil landwirtschaftlich genutzter Flächen. Sie wird es industriellen Produktionsanlagen mit aggressiver Technologie sehr leicht machen, sich in diesen kulturell interessanten Gebieten festzusetzen“. Die Superintendentin hob hervor, dass die von ihrer Institution erlassenen ablehnenden Bescheide regelmäßig übergangen werden.

Über die Hälfte der Bürgermeister der Provinz Viterbo hatten der Einladung zur Anhörung gefolgt. Jeder hat auf seine Weise die Lage veranschaulicht und seine Enttäuschung und sein Gefühl der Ohnmacht zum Ausdruck gebracht, angesichts der Aggression multinationaler Konzerne und der zweideutigen und passiven Haltung von Regierung und Regionen. Als erste intervenierte in diesem Sinn die Bürgermeisterin von Viterbo, gefolgt von Vittorio Sgarbi (Stadtrat für Schönheit von Viterbo und Unterstaatssekretär für Kultur), der an das reiche und einzigartige Kultur- und Landschaftsgut der Provinz erinnerte und dessen Zerstörung leidenschaftlich anprangerte: „Wir sind dabei, Italien auszulöschen, schlimmer als Mussolini.“ Wir müssen Widerstand leisten.“

Aus all diesen Beiträgen geht hervor, dass das Versäumnis, den regionalen Energieplan (PER) von Latium in Kraft zu setzen und die als Standort ungeeigneten Gebiete zu definieren, zu einem jahrelangen Entscheidungschaos geführt hat. Bezeichnend ist, dass erst vor wenigen Tagen die Regierung beschlossen hat, die Festlegung geeigneter Gebiete ein weiteres Mal zu verschieben, womit sie voraussichtlich erst 2025 wirksam werden könnte.

Dieser Unfähigkeit, einen von den lokalen Stakeholdern mitgetragenen und klaren normativen Rahmen zu schaffen, ist es zuzuschreiben, dass die Spekulation mit EE-Anlagen in der Alta Tuscia überhandnimmt, die sich ihrerseits der lokale Belange ignorierenden Infrastrukturplanung von TERNA anpasst.

In dieser Anhörung haben Zivilgesellschaft und Kommunen gezeigt, dass sie sich gemeinsam und entschlossen der Energiekolonisierung Tusziens widersetzen. Es ist nun an der Region, einschneidende Maßnahmen zu ihrem Schutz zu ergreifen.

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